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Von: Von Renja Lüer und Sabine Langen

Warum Singen und Musizieren so gesund ist

Bringt beide Gehirnhälften auf Touren: Klavierspielen oder Gitarre üben.
Bringt beide Gehirnhälften auf Touren: Klavierspielen oder Gitarre üben.
Foto: Dr. Eckart Altenmüller
Wer ein Liedchen pfeift oder seine Lieblingsmelodie summt, macht einen gut gelaunten und gesunden Eindruck. Singen ist jedoch nicht nur ein Stimmungsbarometer, sondern hat eine besonders gesundheitsfördernde Wirkung: "Singen befreit, ermöglicht den Zugang zum eigenen Inneren, fördert das Wohlbefinden und zahlreiche körperliche Funktionen. So wird zum Beispiel die Atmung geschult und die Körperwahrnehmung trainiert", erläutert der bekannte Musikmediziner Professor Dr. Eckart Altenmüller.

Bei den Naturvölkern gilt Singen seit jeher als Medizin. Es hat aber auch eine soziale Funktion, sorgt für große Gemeinschaftserlebnisse. Altenmüller: "Singen ist eine der intensivsten Formen der emotionalen Kontaktaufnahmen. Sänger berühren andere Menschen und erzeugen je nach Situation Sicherheit, Ruhe, aber auch Aktivitätsbereitschaft."

Musizieren fördert Vernetzungen im Gehirn
Zahlreiche Studien belegen den positiven Einfluss von Musik auf unsere Gesundheit. Angenehme Musik wirkt sich positiv auf das vegetative Nervensystem aus und hilft, Stress und Aggressionen abzubauen. Unsere Leistungsfähigkeit steigt, es entstehen neue Nervenverbindungen im Gehirn. Unser Gehirn wird dadurch umgebaut und zahlreiche Vernetzungen bilden sich heraus. "Schon der erste Instrumentalunterricht kann zu einer verstärkten Vernetzung zwischen Hörzentren und Bewegungszentren führen", so Altenmüller, Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin IMMM in Hannover.

Adrenalin wird reduziert, Anzahl von Dopamin und Endorphinen erhöht
Studien zeigen, dass Musizieren allgemein und Singen speziell die Emotionen beeinflusst. Wir verspüren mehr Zufriedenheit und sind ausgeglichener. Negative Emotionen werden besser bewältigt. Der Hormonhaushalt und die Chemie des Gehirns werden positiv beeinflusst. Altenmüller erklärt die Zusammenhänge folgendermaßen: "Das Stresshormon Adrenalin wird reduziert und die Motivationsstoffe Dopamin sowie die "Glückshormone" - also die Endorphine - werden ausgeschüttet. Dies liegt an dem großen Belohnungscharakter, den das Musizieren und das Hören von Musik hat". Nach dem Singen fühlen sich selbst zuvor erschöpfte Menschen in der Lage, wieder voller Kraft und Energie an ihre Aufgaben heranzugehen. Singen soll sogar vor Erkältungen schützen, weil es das Immunsystem stärkt.

Glücksgefühle und Konzentrationsschub beim Klavierspielen
Auch beim Musizieren mit Instrumenten sind Hör-, Gedächtnis-, Emotions- und Bewegungszentren im Gehirn aktiv – und zwar diejenigen Hirnareale, die für Glücksgefühle zuständig sind und die im Bereich des sogenannten limbischen Systems liegen. Die Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit werden erhöht, die Lernfähigkeit steigt enorm.
Wissenschaftlich ist auch belegt, dass Musik klug macht. Sie fördert nämlich die Vernetzung der Nervenzellen im Gehirn. Interessant dabei ist außerdem die Tatsache, dass es – laut Altenmüller und Ergebnissen der Hirnforschung - dafür keine Altersgrenzen gibt.

Training für beide Gehirnhälften
Als ein besonders gutes Training für beide Hirnhälften gilt das Musizieren und Singen gleichermaßen. Beim Gitarren oder Klavierspiel führen beide Hände unterschiedliche Aktivitäten aus, was das Gehirn auf Touren bringt.
Dopamin ist übrigens der Botenstoff, der freigesetzt wird, wenn wir angenehme Klänge hören. Die Ausschüttung ist umso höher, je mehr man die entsprechende Musik mag. Mehr noch: Selbst die Vorfreude auf eine schöne Melodienfolge bewirkt bereits eine solche Körperreaktion. Das erklärt auch den hohen Stellenwert von Musik in allen menschlichen Gesellschaften.

In diesem Sinne: "Let's sing and make music" – ein wahrhaft gesundes Vergnügen!